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Nachruf Joseph Aschwanden

Porträt Joseph Aschwanden

Nachruf Joseph Aschwanden,
Fachbereich Lebenspraktische Fähigkeiten, SICHTBAR AARAU
6.12.1958 – 15.12.2020

Anfang August 2020 erhielten wir eine Krankmeldung von Joseph Aschwanden. Er habe starke Rückenschmerzen. Es müssten aber noch Abklärungen durchgeführt werden. Er sei für zwei Wochen krankgeschrieben. Niemand hätte gedacht, am wenigsten Joseph selber, dass er danach nie mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren würde. Mit viel Zuversicht und sehr gefasst, nahm er zu Beginn die Krebsdiagnose entgegen. Nur drei Monate später, Anfang November, erfuhren wir mit grosser Bestürzung, dass er den Kampf gegen die Krankheit nicht mehr gewinnen konnte. Mit tiefer Trauer mussten wir schon am 15. Dezember 2020 für immer von ihm Abschied nehmen.

Was machte ihn denn so besonders, diesen eher ruhigen, optimistischen und offenen Menschen? Seit über 20 Jahren arbeitete er überzeugt und sehr loyal für den Schweizerischen Blindenbund an der Beratungsstelle SICHTBAR AARAU. Gelernt hatte er einen handwerklichen Beruf, den er aber nach seiner eigenen Sehbeeinträchtigung nicht mehr ausüben konnte. So entschloss er sich nach einer Beratung in Bern, die Weiterbildung zum Reha-Spezialisten in Lebenspraktischen Fähigkeiten zu absolvieren. Als alleinerziehender Vater zweier Söhne brachte er das Verständnis, aber auch die Erfahrung mit, was durch eine visuelle Beeinträchtigung alles erschwert werden kann. Seine Klientinnen und Klienten durften von ihm immer vollen Einsatz, kreative Lösungen und seine Bereitschaft erwarten, zur Erreichung ihrer Ziele auch unkonventionelle Wege zu gehen. Durch seine umsichtige Beratung und seine engagierten Schulungen unterstützte er viele Menschen dabei, ein möglichst selbständiges Leben führen zu können. Mit seinem immer gut bepackten Rucksack reiste er auch in die entlegensten Dörfer, um vor Ort die nötigen Schulungssequenzen anzubieten. Alle mochten sie ihn sehr: Klientinnen und Klienten, aber auch seine Kolleginnen und Kollegen, diesen gestandenen und doch auch sehr feinfühligen Mann, diesen Alleskönner, der von der Küche bis zur Waschmaschine schulte, dem die Ideen nicht auszugehen schienen und sich auch vor den elektronischen Fortschritten nicht scheute.

Ich hatte das grosse Glück, ihn noch anfangs Dezember besuchen zu können, schon gezeichnet von der schweren Krankheit. Zum Abschied sagte er: «Und sag allen, sie sollen jeden schönen Moment im Leben geniessen! Ich kann Euch das jetzt sagen!» So war er, unser Joseph (Josi für seine Freundinnen und Freunde). So wollen wir ihn in unserer Erinnerung behalten!

Denise Gehrig, Bereichsleiterin Beratung

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